Warum müssen Rehkitze vor der Mahd gerettet werden?

Rehe sind Fluchttiere. Rehkitze bis ca. 3 Wochen haben diesen Fluchtinstinkt nicht. Von ihren Müttern, den Ricken zur Welt gebracht, werden sie meist im hohen Gras abgelegt, wo sie sich nicht von der Stelle rühren und auf die Rückkehr ihrer Mütter warten, die die Kitze mehrmals am Tag säugen. Dieses Verhalten bezeichnet man als Drückinstinkt. Dieser Drückinstinkt ist eine ausgezeichnete Einrichtung der Natur, um die Kitze vor Fressfeinen zu schützen und da sie in dieser Zeit auch noch keinen Eigengeruch haben, würde bspw. ein Fuchs direkt an ihnen vorbeiziehen ohne sie zu bemerken. 

 

Vor  den Erntemaschinen der Menschen schützt sie dieser Instinkt allerdings nicht. Im Gegenteil. Sie bleiben wo sie sind obwohl sie sicher große Angst vor den riesigen, lauten Maschinen haben. So werden sie schrecklich verstümmelt oder sterben im besten Fall sofort. Naturschutzverbände sprechen dabei von unvorstellbar geschätzt 100.000 verstümmelter und getöteter Kitze pro Jahr! Und wenn man von ca. 30.000 Dörfern in Deutschland ausgeht scheint diese Zahl nicht abwegig. Einmal habe ich erlebt, wie ein Kreiselmäher  alle Beine des Kitzes so abgetrennt hatte, dass die Beinchen nur noch an Hautfetzen hingen. Schrecklich. Und trotz dieser unbeschreiblichen Verletzungen versuchte es noch auf den verblieben Stümpfen wegzulaufen. Dabei schrie es so herzzerreißend, das mir noch heute die Tränen kommen wenn ich nur daran denke. Erst der hinzugerufene Jäger konnte es erlösen. 

 

Bei dem nachfolgenden Foto handelt es sich um ein anderes Kitz, welches ein Jäger gefunden hat, nachdem ein Kreiselmäher das Gras gemäht hatte ohne das Kitz vorher bemerkt zu haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Damochwal


Viele Jäger, vor allem im Westen, in Österreich oder in der Schweiz,  suchten in der Vergangenheit die Wiesen vor der Mahd mit speziell ausgebildeten Hunden ab oder brachten einen Tag vorher Flatterbänder zur Abschreckung an. Oder es wurden viele Leute mobilisiert, oft Schulklassen, die in engen Abständen über die Wiesen liefen um Kitze zu finden. Allerdings mit mäßigem Erfolg oder zum Ärger der Bauern wegen der platt gedrückten Wiesen.  Die effizientes, aber auch derzeit teuerste Methode sind Drohnen mit speziellen Wärmebildkameras. So entging uns 2018 nicht ein einziges Kitz.

Telefon: 015233990514 rehkitzrettung.gera@gmail.com

Fotos und Videos zu unseren Rettungseinsätzen 2018.