Wildtier Igel

Auch für unseren heimischen Braun-Igel kündigt sich die kalte Jahreszeit an. Bald suchen sie sich, dick und rund gefressen, ihr Winterquartier unter großen Laubhaufen, unter dichten Hecken, unter Holzstapeln, in versteckten Nieschen und Ecken, unter dem Gartenhaus, im Komposthaufen usw. und schlafen bis zum Frühjahr. Diese Igel brauchen unsere Hilfe in der Regel nicht.

Igelhilfe

Einen schlechteren Start haben die Spätgeborenen, da ihnen einfach die Zeit fehlt den notwendigen Winterspeck anzufressen und es im Herbst von Tag zu Tag weniger Insekten und Würmer gibt. Hier macht es tatsächlich Sinn zuzufüttern. Eine katzensichere Futterstelle ist nicht schwierig und kann aus dem gebaut werden, was sich im Garten findet, z.B. unter einem Stück Europalette, einer umgestülpten Plastekiste mit einem Eingangsloch von ca. 10 x 10  cm, aufgestapelten Ziegelsteinen o.a. Haben die Igel ein Gewicht von ca. 700 - 1000 g erreicht, halten sie in ihrem Nest  bis März, April Winterschlaf. Im Winterschlaf reduzieren sich Herzschlag, Kreislauf und Körpertemperatur auf ein Mindestmaß. Bspw. reduziert sich der Herzschlag von 200 Schlägen in der Minute auf 2-12 Schläge. Die Körpertemperatur passt sich der Außentemperatur an und erwärmt sich erst wieder ab 5 Grad. Wird ein Igel im Winterschlaf gestört, muss er sich erst ein neues Nest suchen, was oft nicht einfach ist und beginnt erneut den Winterschlaf, was ihn aber enorme Energiereserven gekostet hat. Irrt ein Igel im Winter herum, ist es oft sinnvoll, ihn  zunächst mit in die Wärme des Hauses zu nehmen, Futter bereit zu stellen und ihn von dort ein Winternest im Garten oder Terrasse anzubieten, damit er seinen Winterschlaf fortsetzen kann. 

 

Igel gefunden - was tun ?

Es macht also Sinn, unserem kleinen Igel  mit Futter zu helfen, denn, bei Nahrungsmangel würden er auch mit einem zu geringen Gewicht in den Winterschlaf gehen und aufgrund der fehlenden Körperenergie im Schlaf sterben.  Futterstellen ab Oktober helfen deshalb ungemein und sind sehr wichtig. Das Futter ist nicht kompliziert. Entweder nur Katzen-Nassfutter ohne Soße und Gelee oder/ und Kitten-Trockenfutter (z.B. von Eucanuba). Auch mit Mischungen aus Katzennassfutter, Igel- oder Katzentrockenfutter, getrockneten Insekten, zarten Haferflocken als Ballaststoff für die Verdauung und einem Spritzer Mais-Keimöl hat man schon viel getan. Eine Schale Wasser. Fertig.

 

Ist eurer Findling im November  noch  sehr klein (ca. 300 g) oder noch leichter oder ist er nicht schön rund sondern sehr schlank, (abgemagert mit eingefallenen Flanken und einem "Hungertal" zwischen Kopf und Rücken),  müsst ihr den Igel zuerst in die Wärme bringen und unbedingt Kontakt zu uns oder einer Igelstation aufnehmen. Denn für diese Fälle reicht nur Futter oft nicht aus. Meist müssen diese Igel auch medizinisch versorgt werden. Bis ihr den Igel abgeben könnt, bitte nicht im Freien oder auf einem kalten Balkon stehen lassen. Igel haben Flöhe, stimmt. Aber wenn ihr ihn aus Angst davor in der Kälte lasst, kann  es sein Todesurteil sein !

 

Findet ihr im Sommer oder Herbst verwaiste Igelbabys außerhalb des Nestes, wurde ihre Mutter wahrscheinlich getötet. Igelbabys aufzuziehen ist für einen Laien fast unmöglich. Wendet euch für diesen Fall bitte an uns oder eine Igelstation. Und auch hier wieder. Wärme ist das A und O.  Höchstens ein wenig Wasser mit Traubenzucker aus einer Einwegspritze (ohne Nadel) geben. Keine Milch !!!. 

 


Igel - Unterkünfte drinnen und draußen


 

Zu leichter Igel im Spätherbst oder kranker Igel

Ist der Igel offenbar krank (z.B. trübe Augen, abgemagert, torkelnder Gang, tagsüber unterwegs usw.) muss euer Findling schnellstens zum Tierarzt (TA). Keine Angst vor evtl. Kosten. Die Erstbehandlung von Wildtieren in Not ist kostenlos. Also nehmt den Kleinen, wärmt ihn mit einer Wärmeflasche und ab zum TA. Dort kann der dann bereits auf Normaltemperatur (ca. 36 Grad) gebrachte Findling sofort professionell behandelt und anschließend von euch weiter betreut werden. 

 

Flöhe entfernen mit JACUTIN PEDICUL Spray gegen Läuse und Nissen. Gibt es in der Apotheke. Den Igel mit einem Zellstofftuch (Küchenrolle) zum Schutz der Augen abdecken, in das man in der Höhe des hinteren Rückens ein kleines Loch schneidet. Nur Einmal (!) durch das Loch auf den Igel sprühen. Fertig. Flöhe sind damit erledigt. Bei Bedarf auch die Kiste aussprühen. Aber bitte gut auslüften lassen. 

 

Hustet der Igel, kann es sich oft um LUNGENWÜRMER handeln, an denen kleine und/oder schwache Igel oft sterben. Hier ist schnelles Handeln gefragt. Bitte beim TA das Mittel Levamisol (2x in 48 Stunden) spritzen lassen! Da sich Tierärzte oft nicht so gut mit Wildtieren auskennen, weist sie bitte auf die Ausführungen von PRO IGEL in der die Broschüre "Igel in der Tierarztpraxis" hin, die jedes Jahr aktualisiert wird. Man kann sie auch im Internet herunterladen. Dort werden haargenau alle wirksamen Mittel und Dosierungen beschrieben. Eine alleinige Behandlung mit dem Wurmmittel "Panacur " ist leider nutzlos.

 

Es gibt Igelstationen, die sich kümmern. Aber Igelstationen sind fast immer privat geführte Einrichtungen mit ständigem Geld- und Personalmangel. Wenn ihr also denkt, dass der von euch gefundene Igel Hilfe braucht, könnt ihr "euren" Igel auch selbst versorgen. Doch bevor ihr ihm etwas zu trinken oder zu essen gebt, MUSS er unbedingt aufgewärmt werden (Wärmeflasche). Ansonsten besteht akute Lebensgefahr! NUR Igelsäuglinge gehören IMMER in professionelle Hände!  Ruft uns einfach an. Wir beantworten alle Fragen, geben euch Adressen und/oder alle Ratschläge zur Selbsthilfe. Nur Mut! "Ein Held ist der, der tut was er kann".


Eine erste Hilfestellung für den Igelfreund gibt das nachfolgende Schema des NABU:

ABER: Vor jeder Maßnahme (Essen, Trinken, Tierarzt) MUSS der Igel auf seine normale Körpertemperatur (36 Grad) gebracht werden. Ansonsten droht Todesgefahr. Fühlt sich der Bauch warm an, ist alles ok. Fühlt sich der Bauch kühl an, bitte den Igel zuerst mit einer Wärmeflasche aufwärmen.

Mehr Informationen unter:

 Quelle Bild: NABU