Wildtier Igel

Mit fallenden Blättern und immer wenig werdenden Nahrungsangebot (Insekten) kündigt sich auch für unseren heimischen Braunbrust-Igel die kalte Jahreszeit an. Dick und rund gefressen bauen sie sich ihr Winternest unter großen Laub- und Asthaufen, unter  Hecken, Holzstapeln, in versteckten Nieschen,  unter dem Gartenhaus, im Komposthaufen usw. und schlafen bis zum Frühjahr. Diese Igel brauchen unsere Hilfe in der Regel nicht, wobei sie sich trotzdem über diese und jene katzensichere Futterstelle freuen, um ihre Fettreserven für den Winterschlaf weiter aufzufüllen

 

Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf meinen eigenen Erfahrungen und auf Erfahrungen anderer Igel stellen, die ich 

Eine erste Hilfestellung für den Igelfreund gibt das nachfolgende Schema des NABU:

Mehr Informationen unter:

 Quelle Bild: NABU

Erste Hilfe

Das Igelchen zuerst zwischen ein warmes Handtuch legen und eine Wärmeflasche dazu legen. Eine PET-Flasche aus dem Supermarkt mit warmen Wasser gefüllt, tut es auch. Auf keinen Fall füttern bis sich der Bauch warm anfühlt. Danach tröpfchenweise warme Flüssigkeit (Wasser oder Fencheltee) aus der Spritze und Notfallfutter aus der Spritze anbieten. Danach auf Verletzungen und Außenparasiten (Zecken, Fliegenmaden, Flöhe) untersuchen und entfernen. Meist müssen Not-Igel auch medizinisch versorgt werden. Dies kann ein igelkundiger TA leisten. Oft haben solche TA auch Kontakt zu Pflegestellen/ Igelstationen. Aber Achtung. Nur wenige Tierärzte kennen sich auch mit Wildtieren aus, da dieses Thema im tierärztlichen Studium nicht gelehrt wird.  Manche TA lesen nach, was gut ist. Manche behandeln einfach wie Katzen weil sie nicht den Eindruck hinterlassen wollen, dass sie keine Ahnung haben. Dies kann tödlich sein !!! Allein ein bei Katzen wirksames Floh-Spot On kann bei einem Igel oder gar Igelkind zum Tod des Tieres führen.  Also habt bitte keine Scheu davor den TA nach seinen Kompetenzen für Wildtiere zu fragen. Solltet ihr eine Igelstation finden und den Igel dort abgeben können darf der Igel bis dahin  nicht in der Kälte sein. Kälte vertragen Igel nur wenn sie gesund sind. Und da ihr ihn gefunden habt, hat er ein Problem und muss gewärmt werden. D.h.,  Igel in Not immer warm stellen (Zimmertemperatur). Also, Wiegen, Wärmen und eine Igelstation kontaktieren. Diese geben dir Ratschläge zur weiteren Betreuung oder ggf. Abgabe.  

 

Igelbabys

Igelbabys gehören IMMER in erfahrene Hände. Experimente enden meist tragisch. Bitte also immer zu einer erfahrenen Pflegestelle bringen, da die Igelchen sehr empfindlich sind. Auch hier gilt jedoch, zuerst aufwärmen. Igelbabys erkennt ihr zuerst am Gewicht und an der Größe. Aber vor allem haben sie noch nicht die für den Igel typische spitze Nase.

Igelhilfe im Spätherbst und Winter

Ausdrücklich wird hier auch auf die sehr guten Ausführungen von PRO IGEL in der die Broschüre "Igel in der Tierarztpraxis"  Tanja Wobbel hingewiesen. Diese Broschüre ist ein sehr guter Leitfaden für Tierärzte die noch keine Erfahrungen mit dem Wildtier Igel haben und wird jährlich aktualisiert. Aber auch für Igelfinder ist es ein sehr verständliches Informationswerk.  

 Checkliste Erste Hilfe:

1. Wenn sich der Bauch des Igelchens kühl anfühlt,  langsam aufwärmen. Dazu den Igel in einen Karton auf ein gefaltetes

    Handtuch legen und das  Handtuch zuklappen. Eine Wärmeflasche dazulegen. Zur Not geht auch eine Plastikflasche aus dem

    Getränkemarkt. Dabei muss das Igelchen immer die Chance haben, sich bei Bedarf von der Wärme wegzubewegen.

2. Erst tränken und füttern nach dem er aufgewärmt ist (Bauch muss sich warm anfühlen), ansonsten kann der Kreislauf schlapp

     machen und zum Tod des Igels führen. 

3. Wasserschälchen dazustellen sowie Katzenfutter (Huhn) mit wenig Öl und Haferflocken gemischt.  

 

Spätherbst

Einen schlechten Start haben die Spätgeborenen, da ihnen mit abnehmenden Insektenangebot oft einfach die Zeit fehlt sich den notwendigen Winterspeck anzufressen. Hier macht es  Sinn eine katzensichere Futterstelle einzurichten und abends mit Katzenfutter (Huhn), angereichert mit ein wenig Speiseöl (Mazola) und Haferflocken zuzufüttern. Es muss kein teures Katzenfutter sein. Meine  Igel mögen oder mochten alle Huhn in Soße der Fa. Winston (Roßmann-Drogerie) oder Juniorkatzenfutter (Huhn) von Attica (Netto) sowie (auch als Reservefutter für die Zeit des Winterschlafs und frostigen Tagen) als Zusatz Trockenfutter von Eucanuba (Puppy Dogs). Wobei der Schwerpunkt auf Nassfutter liegt.

 

Eine katzensichere Futterstelle einzurichten ist nicht schwierig und kann aus dem gebaut werden, was sich im Garten findet, z.B. unter einer Europalette mit geschlossenen Seiten oder einer umgestülpten flachen  Plastekiste, jeweils  mit einem Eingangsloch von ca. 10 x 10  cm. Montiert man an den Eingang noch eine schwingende Klappe sind damit auch Ratten (sofern welche vorhanden) draußen. Igel stört eine solche Klappe nicht. Ratten dagegen haben Angst davor. Auch aufgestapelte Ziegelsteine mit einem Brett darauf geht. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Hauptsache das Futter bleibt für die Igel. 

Aufgepäppelte Igel

Findlinge im Spätherbst oder Winter

Die Igelwaisen, die bereits im August kamen und aufgepäppelt wurden, wildere ich zeitnah ab einem Gewicht von ca. 700 g über eine Auswilderungsgehege wieder aus.  Meist kommen sie noch einige Zeit zur Futterbar zurück, bis sie sich dann in die Umgebung verabschieden und sich ein Nest für den nahenden Winterschlaf suchen.

 

Die kleinen Igelpatienten, die erst später im Jahr kommen oder von aufmerksamen Menschen gebracht werden sind meist  untergewichtig und wegen Parasitenbefalls krank. Sie kommen zuerst auf eine Krankenstation bei Zimmertemperartur. Nach ihrer Genesung und einem Gewicht von ca. 700 g siedeln sie ins Außengehege um, welches später auch ihr Wintergehege sein wird. Oder aber werden von ihren Findern wieder abgeholt, die sie dann im Winterschlaf und bis dahin selbst betreuen. Jedes  Igelchen bekommt sein eigenes Schlafhaus aus Holz,  in das jeweils das Nest aus der Päppelstation hineinkommt. Dort verbringen sie ihre Zeit bis zum Winterschlaf damit, weiter Winterspeck anzufuttern bis sie dann irgendwann in den Winterschlaf gehen, der  je nach Witterung bis ca. April dauert. Nachdem sie im Frühjahr aufgewacht sind, werden sie noch einige Zeit gefüttert bis auch dort das Gehege in die Freiheit geöffnet wird. 

Ich persönlich bevorzuge als katzensichere Futterstellen Europaletten, deren offene Seiten ich mit Holz verschließe. Vier Eingänge hineingesägt und hinter die Eingänge Ziegelsteine platziert. So entsteht bei jedem Eingang ein kleines Labyrinth, welches die Igel umkreisen können, die gefräßigen Katzen aber draußen halten. So haben sie keine Chance haben das Futter zu stibitzen. Im Hintergrund zu sehen, ist übrigens die teilweise Überdachung des  16 qm großen Überwinterungsgeheges, unter  zu der die Schlafhäuser wind- und regensicher aus Holz aufgestellt sind. Jeder Igel hat sein eigenes Schlafhaus. Sie treffen sich nur im Freigehege zum Fressen.

Bilder der Wildtierkamera. Hier kann man gut sehen, dass die Katzen keine Möglichkeit haben, den Igeln das Futter zu stibitzen. Sie armen kleinen Katzen müssen aber bei mir trotzdem nicht hungern :-). Sie bekommen bei jeder Igelfütterung auch ihren Teil.

Wird ein Igel im Winterschlaf gestört, muss er sich oft ein neues Nest suchen, was überlebensnotwendige Energie kostet. Daher braucht auch ein ausgewachsener Igel der im Winter herumirrt immer unsere Hilfe. Ich nehme solche Igel mit ins Haus, damit sie sich zuerst langsam erwärmen können und gebe ihnen später, wenn sie ihre normale Körpertemperatur von 36 Grad (Bauch warm) erreicht haben, Katzennassfutter Huhn mit Soße, gemischt mit etwas Speiseöl Mazola Maiskeimöl und zarten Haferflocken. So nehmen die Igel schnell wieder zu. Wenn sie also wieder fit sind und ihr Winterschlafgewicht von ca. 700 g oder mehr erreicht haben, können sie in einem geschütztes Winterschlafquartier (Außengehege) bis zum Frühjahr weiterschlafen. Wer einen Igel findet muss immer daran denken, dass die kleinen Igel sehr bewegungsfreudig sind. In der Wohnung sollten ca. eineinhalb bis zwei qm Fläche zur Verfügung stehen. Auch der Winterschlafplatz im Freigehege muss ausreichend groß sein. Ein ausbruchsicheres Gehege auf dem Balkon tut es im Übrigen auch. Hauptsache Außentemperaturen. Den Igel auf keinen Fall in geheizten Räumen oder gar im Keller überwintern. Das ist Tierquälerei, weil es ihre Natur ist, Winterschlaf in der Kälte zu verbringen. Den Temperaturwechsel nach Außen stecken die Igel übrigens sehr gut weg. Allerdings brauchen sie ein gut mit Stroh und Zeitungsknüllis gepolsterten Winterschlafhaus. Bitte kein Heu oder Laub verwenden, weil beides schnell schimmelt.